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Presseberichte über die HSG

 
 
 
Yakup Köksal ist der Mann für die spektakulären Momente
Veröffentlicht am 23.06.2020 im Stader Tageblatt
 
Der Handballer Yakup Köksal kehrt nach drei Jahren beim VfL Fredenbeck zurück in seine sportliche Heimat bei der HSG Bützfleth/Drochtersen. Es ist die Rückkehr in den Schoß der Ersatzfamilie, dorthin wo seine Karriere als Experiment begann.

Vereinsfunktionär Egmont Bilzhause holte Yakub Köksal, heute 33, und zwei weitere türkische Handballer vor 17 Jahren nach Deutschland. Da war Köksal keine 16 Jahre alt und spielte in der türkischen Junioren-Nationalmannschaft. Bilzhause kümmerte sich um die Organisation und erledigte alles Bürokratische. Der TuSV Bützfleth suchte damals beim Türkischen Handballverband junge Talente und bot Kost, Logis und Ausbildung. „Yakup hat sich wunderbar integriert hier. Alles, was er geschafft hat, hat er sich selbst und einigen Leuten aus dem Verein zu verdanken“, sagt Bilzhause. Köksals Werdegang verdiene Respekt. Bilzhause: „Er ist ein guter Junge.“

„Ich möchte dort aufhören, wo alles begonnen hat“, sagt Yakup Köksal. Mit nunmehr 33 Jahren macht sich Köksal, der aus Ankara stammt, Gedanken über sein Karriereende. Mit der Arbeit bei Airbus in Stade konnte Köksal Oberliga-Handball beim VfL Fredenbeck lange vereinbaren. Das gelingt dem Schichtgänger nun nicht mehr. Er wechselt von der Oberliga in die Landesliga. Zwei Klassen tiefer. Aber das ist für Köksal kein Problem.
Für Stimmung sorgen

Der so spektakulär Handball spielende Rechtsaußen sieht in seiner Rückkehr nach Kehdingen eine Art Auftrag. Die Stimmung sei in den Sporthallen in Bützfleth und Drochtersen zuletzt wieder ein wenig eingeschlafen. Sein Tempo, seine Sprungwürfe mit dem hohen Luftstand, seine Dreher, Heber und Leger, seine Purzelbäume auf dem Hallenboden könnten wieder für Stimmung sorgen.

Dirk Schwarz war Trainer bei der HSG Bützfleth/Drochtersen, als Yakup Köksal von der Jugend in die Männermannschaft wechselte. „Yakup war ein junger, selbstbewusster Mann. Sein Leben in Deutschland ein Experiment. Die Integration war kein Problem. Die Sprache lernte er relativ schnell“, sagt Schwarz. Der Coach kann sich an zwei Begebenheiten erinnern, die Köksal charakterisieren. Beim gemeinsamen Grillen nach Auswärtsfahrten wollte Köksal eigentlich niemandem zur Last fallen. Der Verein besorgte dennoch extra eine Grillzange und grillte die schweinefleischfreie Kost in einer Extra-Schale. Sportlich zeigte die Schlussphase bei einem Spiel in Bexhövede, wie Köksal tickt. Bei einem Tor Rückstand ordnete Schwarz für den allerletzten Angriff einen Kempa für den Türken an. Köksal verwandelte schließlich – und er packte bei seinem Kempa noch einen Dreher obendrauf. „Nach dem Training legte Yakup Extraschichten ein und übte aus verschiedenen Winkeln Dreher, Leger und Heber“, sagt Schwarz.
Bü/Dro war seine Familie

„Bü/Dro hat mir den Spalt in der Tür gezeigt. Ich musste aber selbst durchgehen, mich durchboxen“, sagt Köksal heute. Als er nach Deutschland kam, hatte er keinen Vater mehr. Zwei Jahre später starb auch seine Mutter. An der „gewissen Leere“, die nach ihrem Tod folgte, knabbert er, das „Mama-Kind“, noch heute. Bü/Dro war fortan seine Familie. Die Bunges, Schmidts, Bilzhauses und Co nahmen ihn auf, wiesen ihm den Weg. Köksal kam in vielen Gastfamilien unter. Er sei kein einfacher Mensch gewesen, sagt Köksal über Köksal. Temperamentvoll, aufbrausend. „Ich wusste damals nicht, was richtig und was falsch ist.“

Köksal ging mit dem Umzug nach Deutschland durchaus ein Risiko ein. Er lernte das Leben in der neuen Welt. Und wurde reifer. Handball sei gut und schön, stellte er schließlich fest. Aber Handball sei kein Beruf für ihn. In allen höherklassigen Clubs der Region hätte Köksal für den ein oder anderen Euro spielen können. Der einstige Zweitligist SG Achim/Baden fragte an. „Heute bin ich froh, vernünftig gehandelt zu haben“, sagt Köksal, längst „Kopfmensch“, wie er einräumt.
Ausflug nach Fredenbeck

Nur nach Fredenbeck unternahm er schließlich einen dreijährigen Ausflug, spielte dort ein Jahr lang in der zweiten und zwei Jahre lang in der ersten Mannschaft. Beim VfL erlebte er Höhen und Tiefen. Zwei Jahre lang spielte der Traditionsclub an seinen eigenen Ansprüchen vorbei und verpasste mit großem Abstand den eigentlich anvisierten Wiederaufstieg in die dritte Liga. „Bereut habe ich die Zeit nicht“, sagt Köksal.

Der Chef der HSG Bützfleth/Drochtersen, Sven Wolter, zieht den Hut vor Köksal: „Er hat die Chance gesehen, sich hier eine Existenz aufzubauen. Ohne die Sprache zu können, ohne Bekannte. Und er hat es durchgezogen.“ Mit handballerischem Talent sei Köksal reichhaltig versorgt gewesen. „Die Turnhalle war sein Revier“, sagt Wolter. Der Bü/Dro-Präsident freut sich auf die Rückkehr des 33-Jährigen. „Das ist doch die Würze für ein Handballspiel, wenn einer einen verrückten Dreher macht und die Halle kopfsteht.“
„Sportlich muss ich mir nichts mehr beweisen“

Yakup Köksal sitzt mit seiner Freundin auf der Terrasse seiner Wohnung in Stade-Ottenbeck. Es gibt Kaffee, Mineralwasser und Kekse. Gemütlich haben sich die beiden ihr Heim eingerichtet. Köksal schaut zufrieden. Nach nunmehr 23 Jahren Handball spürt er die Schmerzen im ganzen Körper. „Sportlich muss ich mir nichts mehr beweisen“, sagt Köksal. Den vergebenen Chancen, Handballprofi zu werden, trauert er nicht nach. Sein heutiger Trainer und früherer Mannschaftskollege bei Bü/Dro, Max Bock, hat in die WhatsApp-Gruppe eine Nachricht geschrieben: Das Training geht in dieser Woche los. Laufschuhe sollen die Jungs mitbringen.

Köksal verdreht die Augen, als er das liest. Denn Kondition bolzen ist seine Sache nicht. Aber er freut sich auf Bock, auf Torwart Benjamin Kenter, auf die, die er von früher kennt. Auf seine Ersatzfamilie. Köksal: „Es fühlt sich so an, als ob ich nie weggewesen wäre.“

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Die nächsten Termine:

Tabellen/Spielpläne:
-Mannschaften + Ligeneinteilung-
1. Herren - Landesliga Bremen Männer
2. Herren - Regionsoberliga Männer
Männl. B-Jg. - Regionsoberliga
Männl. E-Jg. - Vorrunde Regionsliga Ost
1. Damen - Oberliga Nord
2. Damen - Regionsoberliga Frauen
Weibl. A-Jg.1 - Landesliga Nord
Weibl. A-Jg.2 - Regionsoberliga
Weibl. B-Jg.1 - HVN/BHV Relegation 2020 VR OL WJB
Weibl. C-Jg. - Regionsoberliga
Weibl. D-Jg.1 - Vorrunde Regionsoberliga Ost
Weibl. E-Jg.1 - Vorrunde Regionsliga Ost
_MIXED Jgd F (MINIS I & II)
__Spielbetrieb und Ergebnisse__

07.03.2020:
1. Damen - Oberliga Nord gegen TSV Bremervörde - 25:14
01.03.2020:
Weibl. A-Jg.1 - Landesliga Nord gegen Hagener SV - 32:21
29.02.2020:
1. Damen - Oberliga Nord gegen Elsflether TB - 23:31